Die dunkle Seite der Stadt

Dunkle Unterführungen, düstere Höfe, spärlich beleuchtete Passagen – viele öffentliche Räume in der Stadt führen ein Schattendasein, manche davon meidet man lieber. Doch was sind die besonderen Eigenschaften dieser Orte? Welche Funktionen im Netz der Räume übernehmen sie? Welche (versteckten) Potenziale schlummern in ihnen?

Diesen und weiteren Fragen ging die Lehrveranstaltung „Die dunkle Seite der Stadt“ der Lehrstühle für Landschaftsarchitektur sowie für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen nach. Zudem sollte eine abschließende Gestaltungsaktion Licht ins Dunkel bringen und die besonderen Qualitäten eines dieser bisweilen ungeliebten Räume beleuchten.

In einer ersten Phase des Seminars sollten die besonderen Eigenschaften ausgewählter „dunkler Räume“ eingehender betrachtet werden. Ziel war es, die spezifischen Bedeutungen, Funktionen und Entwicklungs-möglichkeiten des jeweiligen Raums herauszuarbeiten und eine Charakterstudie, ein spezifisches Raum-Portrait anzufertigen.

Anders als bei einer „klassischen“ Raum-Analyse standen deshalb vor allem atmosphärische Betrachtungen im Mittelpunkt: Stimmungen, Assoziationen, Analogien, Synästhesien, Grenzen, Daten & Fakten sollen erfasst, dokumentiert und dargestellt werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse waren Voraussetzung für die daran anschließende Erarbeitung eines Konzeptes zur Raumveränderung mittels einer Kunst-Installation.

Aus den von den Studierenden alternativ entwickelten Konzepten wurde das von Pascale Kaell, Christian Müller-Kattwinkel, Seung A Oh und Antonia Schröder ausgewählt. Es befasste sich mit dem Raum unter dem „Baumhaus“, einem aufgeständerten Atelier-Gebäude der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen.

Das Konzept sah eine Illuminierung des dunklen Raums mithilfe von Knicklichtern vor. Mehrere hundert, ca. 15cm lange grüne Knicklichter wurden mit Kabelbindern an den diagonal verlaufenden Streben des Baumhauses angebracht.

Für den mehrstündigen Aufbau wurde die Performance in Form eines sich auffaltenden Vorhangs gewählt. Die Anbringung der Knicklichter erfolgte von außen nach innen, sodass das Licht der Knicklichter sich zur Mitte des Baumhauses ausbreitet. Mit zunehmender Dunkelheit entfalteten die Knicklichter ihre Wirkung und ließen den Raum in neuem Licht erscheinen. Um Lichteffekt und Raumveränderung zu verstärken, wurden in dem Moment, als alle Stützen mit Knicklichtern versehen sind, sämtliche Lichter im Baumhaus gelöscht.

Durch die Illumination gelang es, die Raumwahrnehmung deutlich zu verändern. Im Gespräch mit den Nutzern des Baumhauses sowie zahlreichen Passanten – darunter viele, die den Raum täglich queren, wurde deutlich, welche – bisher unentdeckten – Qualitäten der Raum hat und welche Potentiale es in der Gestaltung und Nutzung noch auszuschöpfen sind.

Mit dem langsamen Verglimmen der Knicklichter endete die Performance.

 

Ort
Aachen, Architektur-Fakultät
unter dem „Baumhaus“, Schinkelstraße 1, 52062 Aachen

Datum
Erarbeitung: 10/2009 – 02/2010
Aktionstag: 27.01.2010

Rahmen
Lehrveranstaltung an der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen:

Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur
Jakobstraße 2, 52056 Aachen

Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung
Wüllnerstraße 5b, 52056 Aachen

Projektbeteiligte
Dr. Ulrich Berding
(Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung)

Prof. Dr. Florian Kluge,
Sabine Messerschmidt
(zum Zeitpunkt des Projekts: Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur)

Studierende der RWTH aus den Studiengängen Architektur, Betriebswirtschaftslehre, Geographie und Stadtplanung, Konzeptbeitrag von Pascale Kaell, Christian Müller-Kattwinkel, Seung A Oh und Antonia Schröder

Material
Knicklichter, Länge 15 cm
Kabelbinder