Ein „roter Faden“ für die Via Culturalis

Ende der 1990er Jahre entwickelte der Architekt und Architekturhistoriker Oswald Mathias Ungers die Idee einer zentralen Kölner Kulturachse, der „Via Culturalis“. Entlang dieser sich zwischen Dom und St. Maria-im-Kapitol erstreckenden Achse befinden sich 13 kleinere und größere Plätze sowie eine Vielzahl von zum Teil versteckten und verdeckten Relikten aus 2000 Jahren Baukultur.
Die Stadt Köln griff die Idee der Via Culturalis auf und machte sie zu einem Teil ihres Rahmenkonzepts zu langfristigen Neuplanung und Aufwertung der innerstädtischen Plätze. Seit Anfang der 2000er Jahre wird in Köln die Frage diskutiert, wie die Idee der zentralen Kulturachse umgesetzt werden kann. Trotz eines Preises im Landeswettbewerb „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ war die Via Culturalis im Jahr 2003 noch ein abstraktes Konzept, das noch nicht im Stadtraum sicht- und erlebbar war.

Dies war Anlass für die Entwicklung einer temporären Raumgestaltung, mit der im Wintersemester 2003/04 für einen Tag in Szene gesetzt werden sollte. Teile der Kultur und Geschichte sollten in das Bewusstsein der Kölner Bevölkerung gerückt werden. Die vorhandenen Monumente aus der Römerzeit und dem Mittelalter sollten Beachtung finden, ebenso sollten die Plätze und ihr räumlicher Zusammenhang hervorgehoben werden.

In einem gemeinsamen Wettbewerb entwickelten die Studierenden eine Reihe von Ideen, von denen dann in einem Juryverfahren zwei ausgewählt und miteinander kombiniert umgesetzt wurden.

Die eine Idee sah vor, wichtige Orte und Monumente entlang der Via Culturalis in Packpapier zu hüllen und auf diese Weise über die Wahrnehmungsschwelle zu heben. So wurden im Laufe des Tages das Nordtor am Dom, die Hauswand am Lichhof vor der Kirche St. Maria im Kapitol, die Glaspyramide der Mikwe am Rathausplatz, das Tor der St. Alban-Ruine am Quatermarkt sowie der römische Abwasserkanal am Gürzenichplatz ganz oder in Teilen verhüllt.

Um diese einzelnen Elemente als Teil der Via Culturalis in einen erlebbaren Zusammenhang zu bringen, wurde eine zweite Idee realisiert: Auf der gesamten ca. 1,3 Kilometer langen Strecke wurden Boden-Markierungen aus 80 cm langen und 20 cm breiten Teppich-Streifen angebracht, um eine sicht- und fühlbare Verbindung zwischen den Elementen herstellen. Der dunkelrote Nadelfilz wurde rein adhäsiv durch Wasser auf dem Boden befestigt.

Die Vielzahl der verhüllten Objekte und die Länge der mit Teppichstücken markierten Strecke führte dazu, dass sich der Aufbau der Aktion über den gesamten Aktions-Tag erstreckte. Es zeigte sich, dass es aber gerade der Prozess der Entstehung war, der die Aufmerksamkeit der Passanten erregte. Immer wieder kam es zu längeren Gesprächen zwischen Studierenden und interessierten Betrachtern, so dass Anlass und Ziel der Aktion zahlreichen Personen vermitteltet werden konnten.

Was bleibt? Mehr als zehn Jahre nach der Aktion „Ein ‚roter Faden’ für die Via Culturalis“ ist die Idee einer Kulturachse durch die Kölner Innenstadt immer noch – oder wieder – aktuell. Die Stadt unternimmt einen neuen Anlauf, das damals diskutierte Konzept unter gewandelten Rahmenbedingungen umzusetzen. Wahrscheinlich wäre es langsam an der Zeit, wieder einmal eine dazu passende Aktion zu initiieren…

Ort
Kölner Innenstadt, zwischen Hauptbahnhof und St. Maria im Kapitol

Datum
Erarbeitung 10 – 11/2003
Aktionstag: 14.11.2003

Rahmen
Lehrveranstaltung an der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen:

Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung
Wüllnerstraße 5b, 52056 Aachen

in Kooperation mit der Stadt Köln.

Projektbeteiligte
Dr. Ulrich Berding und Gisela Schmitt
(Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung)

Studierende der RWTH aus den Studiengängen Architektur und Stadtplanung, Konzept (kombiniert aus zwei Ideen): Regina Aparicio, Boriana Gueorguieva, Katharina Köppen, Vanessa Muñoz, Nevena Neykova, Sandra Schneidereit

Material
465 rote Teppichstreifen
200 qm Ölpapier
27 Rollen Klebeband
25 Pappschablonen
1 Gießkanne

Förderer
3M, Neuss
Supra Ratiopac, Köln
Kempmann, Olpe