Grüner wird’s nicht

Leerstand, vernachlässigte Häuser, unattraktive Straßen und Plätze, aber auch soziale Benachteiligungen und Ungleichheiten – die Probleme am Rande der Euskirchener Innenstadt sind vielfältig. Deshalb wird das Viehplätzchen-Viertel mit Mitteln des Bund-Länder- Programms Soziale Stadt saniert: Alte Gebäude verschwinden, neue Gebäude und Plätze werden gebaut, Nutzungen wandeln sich, neue Nachbarschaften entstehen. So wichtig ein Neuanfang für die Stadtentwicklung Euskirchens auch ist – der Wandel bedeutet für manche Bewohner auch einen Verlust von Bekanntem und Vertrautem.

Im Zuge des beginnenden Planungsprozesses sollten Studierende eine öffentlichkeitswirksame Aktion konzipieren und auch durchführen, die die Bewohner zum Mitmachen und Nachdenken anregt und auf die bevorstehenden Maßnahmen vorbereitet.

Nach einer eingehenden Beschäftigung mit dem Ort und seinen spezifischen räumlichen und sozialen Rahmenbedingungen entwickelten die Studierenden vier unterschiedliche Aktions-Ideen, von denen dann eine zur Umsetzung ausgewählt wurde: Das von Carolin Bramsiepe, Gitta Bremer und Anna Böll entwickelte Konzept „Grüner wird‘s nicht!“. Idee war es, den in die Jahre gekommenen zentralen Platz im Viertel sowie weitere Standorte geplanter Umgestaltungsmaßnahmen für einen Tag mit grünem Kunstrasen auszulegen. Zudem sollten kleine Kunstrasenstücke zusammen mit einem Info-Flyer als „Starter-Kits“ an die örtliche Bevölkerung verteilt werden.

Mit diesen einfachen Mitteln gelang es den Studierenden, das Sanierungsgebiet mit einer frischen Optik und ungewöhnlichen Haptik zu versehen. So wurden die geplante Maßnahmen im Viehplätzchen-Viertel symbolisch vorweggenommen und für die Bewohner spür- und erlebbar.

Vor allem der bis dahin wenig genutzte Quartiersplatz wurde durch die „Begrünung“ plötzlich zu einem attraktiven Aufenthaltsort. So attraktiv, dass der Inhaber eines am Platz ansässigen Lokals erwirkte, dass der Kunstrasen über den Aktionstag hinaus noch den ganzen Sommer über liegen bleiben durfte. Diese ungeplante „Selbst-Verstetigung“ der temporären Aktion zeigte, dass sich ohne großen Gestaltungsaufwand die Aufenthaltsqualität eines öffentlichen Raums drastisch verbessern lässt.

Ort
Sanierungsgebiet Viehplätzchen-Viertel 53879 Euskirchen

Datum
Erarbeitung Sommersemester 2009
Aktionstag am 19.06.2009

Rahmen
Auftakt des Sanierungsverfahrens im Rahmen des Programms Soziale Stadt

Lehrveranstaltung an der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen:

Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung Wüllnerstraße 5b, 52056 Aachen

Projektbeteiligte
Dr. Ulrich Berding RWTH Aachen, (Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung)
Studierende der RWTH aus den Studiengängen Architektur und Stadtplanung

In Kooperation mit HJPplaner, Heinz Jahnen Pflüger Stadtplaner und Architekten Partnerschaft Kasinostr. 76a, 52066 Aachen

Material
500 qm Kunstrasen
800 Nägel, Kabelbinder, Klebeband
12 Europaletten
roter Sprühlack
Styroporplatten

Förderer
Kreissparkasse Euskirchen, Postfach 1109, 53861 Euskirchen

Regionalgas Euskirchen, Münsterstr. 9, 53881 Euskirchen