Im Vorübergehen – Stadtgestaltung durch Kunstaktionen?

von Ulrich Berding, Florian Kluge
aus: Raum auf Zeit. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum, Band 3 (2015)

Architekten und Planer haben in der Regel den professionellen Anspruch, für soziale, ökonomische, verkehrliche und viele andere Problemstellungen bauliche Lösungen zu schaffen, die eine gewisse Zeit Bestand haben. Die Lebensdauer von Bauwerken wird daher in aller Regel nicht in Stunden und Tagen kalkuliert, sondern in Jahren und Jahrzehnten. Doch gleichzeitig zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das (städtische) Leben von einer wachsenden Dynamik und von einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Lebensstile, der sozialen Milieus, Bedürfnisse und Tagesabläufe geprägt ist. Welcher Planer kann für sich in Anspruch nehmen, so weit gehende Kenntnisse über die komplexen Prozesse der Stadtentwicklung und Handlungsmuster der vielfältigen Akteure und Nutzer zu haben, dass er Kraft seiner Qualifikation den einen und richtigen Entwurf für die Gestaltung stadt-räumlicher Wirklichkeiten zu erstellen in der Lage ist? Wie kann man da sicher sein, dass der geplante Hochbau oder Stadtraum wirklich die Ansprüche erfüllt, die an ihn gestellt werden? Ist es nicht viel nahe liegender, diesen dynamischen und kurzfristigen Stadt-Entwicklungen auf eine ebensolche Weise zu begegnen? Also nicht auf Anhieb die eine und ultimative Dauerlösung zu finden, sondern – erst einmal – eine einfache und ebenso schnell errichtete wie wieder entfernte Maßnahme zu ergreifen und dann zu sehen, wie es weitergehen könnte. Solch ein experimenteller, spielerischer und temporärer Ansatz eröffnet Lern- und Erkenntnischancen, ist jedoch häufig nicht im „professionellen“ oder „seriösen“ Repertoire des Planer-Handels zu finden. Es stellt sich die Frage: Warum eigentlich nicht? Es gibt räumliche Situationen, in denen zunächst unklar ist, ob und wie überhaupt gehandelt werden kann und soll. In diesem Moment bieten sich künstlerische Interventionen, Aktionen und Experimente an, um herauszufinden, worum es an diesem bestimmten Ort gehen sollte, was fehlt, was zu viel ist usw. Schon allein das Signalisieren von Interesse, das Bündeln von Aufmerksamkeit an einem Ort, kann diesen nachhaltig beeinflussen: „An manchen Orten ist der Versuch entscheidend, eine zeitgemäße Form der nachhaltigen Flächengestaltung und -nutzung zu finden. Manchmal ist diese Suche offensichtlich wichtiger als das Schaffen beständiger Orte“ (Havemann/Schild 2006, 23). Klaus Selle beschreibt dies so: „Fachleute der räumlichen Gestaltung (…) müssen sich einerseits mit den Bedingungen auseinandersetzen, die zur Entstehung und Entwicklung von Räumen führen, wenn ihre baulichen Interventionen wirksam und sinnvoll sein sollen. Sie können aber auch zur Entwicklung von Räumen beitragen ohne Bauten zu erstellen, Platzgrundrisse zu ändern oder Bäume zu pflanzen: Auch neue Bilder und Entwürfe möglicher Räume können die Vorstellungskraft anregen, den Blick auf längst bekannt erscheinende Orte verändern. Ebenso wirkungsvoll sind Inszenierungen, ungewohnte Nutzungen, Ereignisse, Installationen, Interventionen in den Alltag des Ortes.“ (Selle in Beeren et al. 2013, S. 7).

Für Planerinnen und Planer öffnet diese Verschiebung der zeitlichen Maßstäbe einerseits und der Zielsetzung andererseits neue Perspektiven. Denn in aller Regel lernen sie, Dauerlösungen im Entwurfsmaßstab zu entwickeln. Die Umsetzung temporärer Aktionen in Lebensgröße bedeutet auch neue Möglichkeiten, städtisches Leben zu verstehen und die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Einflussnahme auszuloten. Zugleich können Fachleute wie Laien die Erfahrung machen, wie Geplantes im Raum wirksam wird und überprüfen, inwieweit Plan und Umsetzung korrelieren oder voneinander abweichen. Schon Camillo Sitte (1843–1903), der die Stadtplanung maßgeblich beeinflusst hat, legte Planern nahe, ihre Ideen über Provisorien zu überprüfen und anschaulich zu machen: „Da würde jedermann, auch der Laie, die Wirkung beurteilen können, und die öffentliche Meinung wäre sicherlich in die Lage gesetzt, zu entscheiden, ob nach diesem Modell eine definitive Verbauung in Angriff zu nehmen sei, oder nicht“ (Sitte 2001/1909, S. 184).

Gerade in öffentlich zugänglichen Stadträumen, in denen viele Nutzungsinteressen von Eigentümern, Mietern und Nutzern aufeinandertreffen und unterschiedlichste Anforderungen von Verkehr, Konsum und Unterhaltung bis zur Erholung zusammenlaufen, können künstlerische Aktionen Ansprüche und Wünsche zutage fördern und moderieren. Dabei erschließen sich viele Dimensionen, Bedeutungen und Funktionsweisen öffentlicher Räume im Kern erst durch die Verbindung abstrakter und gedanklicher Auseinandersetzung mit dem direkten Erleben und dem eigenen Agieren und Eingreifen. Die Verbindungen von Nutzerverhalten, Atmosphäre des Raumes und Charakteristika baulicher Elemente werden dann besonders gut erkennbar, wenn aktiv in die bestehenden Gefüge eingegriffen wird, wenn Veränderungen oder sogar bewusste Störungen vorgenommen werden. Temporäre Aktionen und künstlerische Interventionen lassen sich quasi als Diagnoseinstrumente für Stadträume einsetzen, indem sie „Räume auf Zeit“ bilden. Dabei werden Stadträume mit geringem baulichen Aufwand so verändert, dass sie mit den Seh- und Nutzungsgewohnheiten der Passanten und Anwohner brechen. Von Vorteil ist hier die begrenzte Zeit: der Eingriff besteht nur während eines übersichtlichen Zeitraumes, danach ist alles wieder verschwunden.

Temporäre Aktionen sind leicht zu planen und mit überschaubarem Aufwand durchzuführen – jedenfalls im Vergleich zu dauerhaften Planungen und Änderungen. Künstlerische Aktionen können spielerisch agieren und haben nicht den Anspruch langfristige und großformatige Antworten auf räumliche und gesellschaftliche Fragen zu haben. Zudem sind sie ergebnisoffen. Ein Prozess wird angestoßen, aber was dann geschieht, ist nicht plan- oder vorhersehbar: Was passiert? Was ist, wenn nichts passiert? Gibt es Proteste? Gibt es Zustimmung? Gelingt es, die Aktion wie vorgesehen durchzuführen? Wird die Aktion evtl. abgebrochen – durch die Polizei, das Ordnungsamt? Werden Nutzerinnen und Nutzer mitmachen? Was ist, wenn sie nicht mitmachen?

Wichtig ist die Erkenntnis: temporäre künstlerische Aktionen können sich verstetigen, müssen es aber nicht. Sie können Entwicklungsimpulse setzen, müssen aber nicht automatisch der erste Schritt einer „klassischen“ Planung sein. Temporäre Aktionen dürfen enden, ohne gleich als Misserfolg zu gelten. Sie dürfen vorübergehen.

In welchem Maße temporäre künstlerische Interventionen einen Beitrag zur Entwicklung von Räumen, Quartieren und Gemeinschaften leisten können, ist pauschal nicht zu bewerten. Intensität, Ausstrahlung und Impulswirkung einer jeder Aktion ist abhängig von den beteiligten Akteuren, der strukturellen Organisation, der institutionellen Einbindung, den finanziellen Rahmenbedingungen, manchmal auch von Zufällen und nicht zuletzt vom Engagement einzelner Personen. Dies soll im Folgenden an drei Projektbeispielen gezeigt werden.

Projektbeispiel SPACEmaker!

Unter dem Motto „Statt Verkehr Stadt“ führte die Bundesstiftung Baukultur im Juni 2012 den Konvent der Baukultur durch. In Hamburg versammelten sich rund 350 Berufene – Bauherren, Planer, Architekten, Ingenieure und politisch Verantwortliche – und diskutieren über die Vereinbarkeit von Baukultur und Mobilität. Die Bundesstiftung wollte damit auf diese gesellschaftliche Herausforderung aufmerksam machen und die Bedeutung guter Verkehrsbaukultur für die Lebensqualität in unseren Städten veranschaulichen. Begleitet wurde der Konvent von temporären künstlerischen Interventionen im städtischen Raum, die das Thema des Konvents interpretierten und als dezentrale bundesweite Leuchttürme zum Konvent agierten. Im Rahmen des Wettbewerbs der Aktion_Baukultur wurden zwölf Projekte in zwölf Städten ausgewählt und finanziell unterstützt, neben Aktionen u.a. in Berlin, Dresden, Hamburg, Hannover und München auch das Projekt „SPACEmaker!“ in Bonn.

Mit Hilfe von mobilen zweiflügeligen Wandmodulen wurden elf Studenten der Alanus Hochschule und der RWTH Aachen zu „SPACEmakern“. Mit mehreren Choreographien bewegte sich die Aktion durch die Bonner Innenstadt zwischen Hauptbahnhof und Berliner Platz. An insgesamt neun Stationen erzeugten die Studenten mit zwei Meter hohen Leichtbaukonstruktionen, die an den Armen befestigt wurden, temporäre Raumveränderungen, die auf baukulturelle Schieflagen und die Bedeutung von Verkehrsräumen als öffentliche Räume hinwiesen. Mit Hilfe der SPACEmaker! gelang es aber auch, räumliche Potentiale und gestalterische Chancen aufzeigen. Im 1:1-Maßstab wurden publikumswirksame Bilder kreiert, Verkehrsräume zu temporären Freiräumen umgestaltet, Labyrinthe geschaffen, Fußgängerbewegungen umgeleitet oder mobile Stadt-Räume gebildet. Für Passanten und Verkehrsteilnehmer wurde damit zum einen spürbar, wie sehr die Stadt vom PKW-Verkehr geprägt ist. Zum anderen veranschaulichte die Aktion, wie viele Möglichkeiten die Stadt für Nutzungen jenseits des motorisierten Verkehrs bietet.

Begleitet von Fernsehen und Presse, wurde das Ziel der Aktion, Aufmerksamkeit für den Verkehr in der Stadt zu wecken erreicht: Die Studierenden kamen mit zahlreichen interessierten Bürgern ins Gespräch und konnten lebhafte Diskusionen vor Ort führen.

Projektbeispiel Düren – „RE-AKTOR“

So wie in vielen anderen Städten, schlägt sich der wirtschaftliche, soziale und demographische Wandel auch im Zentrum der am Nordrand der Eifel gelegenen Mittelstadt Düren deutlich sichtbar nieder: Leerstände, Abwanderung von Unternehmen, Vernachlässigung öffentlicher Räume sowie der Attraktivitätsverlust von Einkaufszonen sind Symptome und Ursachen zugleich. Mit der Aufstellung eines Masterplans für die Entwicklung der Innenstadt versucht die Stadt Düren, den negativen Trends entgegenzuwirken. Der Masterplan soll eine Vision formulieren und im Bewusstsein der Stadt, ihrer Bevölkerung, Politik und Verwaltung verankern.

Bis die im Masterplan beschriebenen Entwicklungsschritte in den unterschiedlichen Handlungsfeldern der Innenstadtentwicklung wirklich greifen können, werden jedoch noch einige Jahre vergehen. Für die Bevölkerung, aber auch für die Akteure der Innenstadt – Geschäftsleute, Gastronomen, Wohneigentümer, Kulturschaffende, Bildungsträge und viel andere mehr – bleiben die formulierten Ziele und Leitbilder zunächst abstrakt. Eine Herausforderung für die städtischen Planer besteht deshalb darin, möglichst frühzeitig eine Entwicklungsdynamik im Sinne des Masterplans in Gang zu setzen, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern und den wichtigen Innenstadt-Akteuren unterstützt und getragen wird.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Düren Studierende der Architektur und Stadtplanung der RWTH Aachen gebeten, eine öffentlichkeitswirksame temporäre Aktion in der Dürener Innenstadt zu kreieren. Erklärtes Ziel war es, eine Initialzündung für weitere Aktivitäten zu setzen und Optimismus für einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu verbreiten.

Die 18 Studierenden aus Bulgarien, Tschechien und Deutschland kannten Düren bisher kaum und sahen die Stadt und ihre öffentlichen Räume daher mit großer Neugier und Unbefangenheit. Die Idee zu dieser Aktion wurde im Rahmen eines internen Wettbewerbs entwickelt. Von zehn Konzepten konnte sich die Aktion „RE-AKTOR“ durchsetzen. Diese thematisierte eine von vielen Dürenern als unattraktiv und von manchen auch als beängstigend wahrgenommene Bahnunterführung, die den Bereich des Bahnhofs und ZOB mit der innerstädtischen Einkaufslage verbindet. Mit Video-Installationen und unterschiedlichen gestalterischen Eingriffen wurde der dunkle und ungemütliche Tunnel für einen Nachmittag zu einer Chill-Out-Zone, einem Kino, einer Straßenkreuzung, einem Flussufer, einem Salon, einem Café und einem Club. Die Aktion stellt ein Wechselspiel von Kunst, Architektur, Performance und Installation dar. Städtische Atmosphäre und belebte „Urbanität“ näherte sich in virtueller Form dem Publikum und forderte die Dürener heraus, ihre Umwelt neu zu entdecken, sie auf neue Art wahrzunehmen und mit ihr zu interagieren. Vorbeilaufende Passanten wurden eingeladen, sich ins Innere der Unterführung zu begeben.

Wie erhofft, schaffte es die Aktion, einen symbolischen Impuls zu setzen, der das Interesse der Dürener Bevölkerung weckte, aber auch Geschäftsleute, Politiker und Kulturträger erreichen konnte. Damit entfalteten die Projektionen in der Unterführung eine über den Tag hinausgehende Wirkung.

Projektbeispiel kistenweise

Im Rahmen des Forschungsprogramms Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) suchte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) 2011 Modellvorhaben für das das Forschungsfeld „Baukultur in der Praxis“. Im Rahmen des Forschungsfeldes sollten praktikable Methoden und Werkzeuge der Qualitätssicherung in Stadtentwicklungsprozessen und Planungsprojekten erarbeitet und vermittelt werden. Ziel des nach wie vor laufenden Projektes ist es, im Sinne einer „guten Praxis“ die baukulturellen Potenziale alltäglichen Handelns auf kommunaler Ebene zu verdeutlichen. Einer der ausgewählten Bewerber war die Stadt Paderborn, die eine Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten zum Thema „Baukultur in der Praxis“ durchführte und zahlreiche Impulse setzte.

Eines der realisierten Projekte war eine künstlerische Intervention von Studierenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. 16 Studierende des Fachbereichs Architektur ließen im Mai 2013 mit Hilfe von 1.500 Bierkisten auf dem Franz-Stock-Platz eine begehbare Skulptur entstehen. Ziel der Installation war es, gewohnte Sichtweisen aufzubrechen, neue Bilder in der (altbekannten) Stadt entstehen zu lassen, den Bürgern neue Blickwinkel zu eröffnen, zu Diskussionen anzuregen und die Paderborner zum Gespräch über Baukultur einzuladen.

Die Studierenden waren drei Tage vor Ort, um das Konzept ihrer Kommilitonin Christine Lang umzusetzen, das im studentischen Wettbewerbsverfahren ausgewählt worden war. Zu beobachten war ein dynamischer Bauprozess, in dessen Verlauf die Bierkisten über mehrere Etappen zu einem 4,50 Meter hohen schwarzen Kubus geformt wurden, der nachts illuminiert war. Die künstlerische Intervention entstand in drei Phasen und thematisierte geschickt den Kontrast zwischen historischer Bausubstanz der Innenstadt und dem ungewohnten Baumaterial. Zunächst ergriffen die Kisten teppichartig Besitz vom Platz und veränderten dadurch Wege, weckten Aufmerksamkeit und ließen ein neues Raumgefüge entstehen. In der Folge kumulierten die Kisten in der Platzmitte und die Skulptur wuchs langsam in die Höhe. Zum Ende verdichtete sich die Skulptur zu einem begehbaren, schwarzen Kubus, dessen Architektur dazu einlud, sich mit ihm und seiner gebauten Umgebung auseinanderzusetzen.

Die Aktion – ausführlich dokumentiert in der Presse und begleitet vom Lokalfernsehen – wurde als großer Erfolg gewertet. Obwohl die Aktion abseits der stark frequentierten Bereiche der Fußgängerzone realisiert wurde, fanden zahlreiche Paderborner den Weg zum Franz-Stock-Platz, ließen sich das Werk und seinen Bezug zum Thema Baukultur erläutern und beteiligten sich an den Diskussionen. Das große Presseecho und die zahlreichen Gespräche vor Ort konnten das gesteigerte Interesse am Thema Baukultur belegen. Eingebettet in andere Veranstaltungen der Stadt leistete das Projekt einen wertvollen Beitrag zur Diskussion, warf neue Fragen auf und bleibt mit prägnanten Bildern in gutem Gedächtnis.

 

Schlussbetrachtung

Die ausgewählten Beispiele zeigen sicher, dass es keine pauschale Einschätzung zum Wert, zur Bedeutung und zur Wirkungsweise von temporären künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum geben kann. Und doch lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen und bewährte Strukturen benennen:

1) Während „Kunst am Bau“ in der Regel das Bauobjekt in den Fokus nimmt und in, an oder um die Architektur herum wirkt, fokussieren die betrachteten temporären Interventionen auf gemeinschaftliche oder öffentliche Freiräume und die Menschen, die diese nutzen (oder eben auch nicht), gestalten und prägen. Wichtig ist also, dass es Teil der Aktion ist, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, sie teilhaben zu lassen, sie für eine – wie auch immer geartete Weiterentwicklung – zu gewinnen. Je bürgerorientierter künstlerische Aktionen sind, desto geeigneter sind sie, nachhaltige Impulse im Quartier oder darüber hinaus zu entfalten.

2) Als vorteilhaft kann sich die Einbettung in etablierte und strukturierte Programme erweisen: Durch die Integration in bewährte Programme wie „soziale Stadt“ oder „ExWoSt“ oder die Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur kann nicht nur die Finanzierung gesichert ein organisatorischer Rahmen gewährleistet und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewonnen werden. Vielmehr bietet sich hierdurch ein fachliches Feedback für die Künstler, ein kritischer Resonanzboden für die künstlerischen Konzepte, ein kooperativer Partner für die Organisatoren und eine interdisziplinäre Vernetzung verschiedenster Akteure.

3) Die aktive und mitgestaltende Einbindung der Bevölkerung schafft zum einen neue Möglichkeiten, auch groß angelegte Aktionen kollaborativ umzusetzen. Zum anderen kann bereits in der Aufbau-Phase eine breite Öffentlichkeit erreicht werden. Auch und gerade heikle gesellschaftliche Themen können im Rahmen einer öffentlichen Kunst-Aktion in ein neues Licht gerückt werden.

4) Zu guter Letzt: Die Entwicklung und Umsetzung von „Kunst-Aktionen“ im öffentlichen Raum benötigt nicht immer „professionelle“ Künstler. Hier erweist sich die Hochschule als Kreativfaktor. Mit etwas Glück und dem richtigen Netzwerk sind hier der gedankliche Spiel-Raum, die erforderliche Manpower, die kreative Atmosphäre und die interdisziplinäre Kooperation zu finden, um gelungene künstlerische Interventionen möglich zu machen.

Damit die Kunst temporär ist, aber nicht vorübergeht.

 

Literatur

Beeren, Willem-Jan; Berding, Ulrich; Kluge, Florian (2013): RAUMaufZEIT. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum, Band 1, Aachen, Euskirchen

Havemann, Antje; Schild Margit (2006): Flüchtige Mode oder erhellende Experimente? Gedanken zur Nachhaltigkeit temporärer Projekte, in: Stadt und Grün, Heft 9, September, S. 20-23

Sitte, Camillo (2001/1909): Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen. Vermehrt um „Grossstadtgrün“, Reprint der 4. Auflage von 1909, Basel, Boston, Berlin. Ein Beitrag zur Lösung moderner Fragen der Architektur und monumentalen Plastik unter besonderer Beziehung auf Wien. Wien