Konjukturpakete

Im Mai 2009 war der Schlosspark im rechtsrheinischen Köln-Stammheim bereits zum achten Mal Schauplatz einer großen Kunstausstellung. Unter dem Titel „rheinblicke – einblicke“ präsentierte die Initiative KulturRaumRechtsrhein (KRR) über 30 Kunstwerke, eingebettet in die bedeutende Gartendenkmalanlage des Stammheimer Schlossparks.

2009 gelang es, eine direkt neben dem Park gelegene Obstwiese zur Ausstellungsfläche hinzuzugewinnen. Unter dem Titel „ArtGeo – drive to reconnect the cultural and the natural“ sollten in diesem Bereich – ergänzend zum bisherigen Kunstangebot – Installationen, Skulpturen und Plastiken entstehen, die sich mit der größer werdenden Diskrepanz zwischen gelebter Realität und ökologischem Anspruch auseinandersetzen. Die Kuratoren Joachim Römer (Köln) und Liz Ogilvie strebten damit eine Fokussierung des bisherigen breiten Spektrums auf einen thematischen Schwerpunkt an, der sich in allen sieben Kunstwerken wiederspiegeln sollte.

Die Installation „Konjunkturpakete“ von Florian Kluge und Daniel Lohmann war Teil der ArtGeo-Ausstellung. Sie sah ein Raster von 35 Schrottkuben aus Autoblechen – und einem Baum vor – idyllisch eingebettet in die historische Landschaft des Schlossparks. Das Objekt thematisierte die – seinerzeit hochaktuelle – Diskussion um die politischen Instrumente der Konjunkturpakete I und II, die unter anderem die öffentliche Förderung von Neuwagenkauf und Altwagenverschrottung vorsah. Die Maßnahme war umwelt- und konjunkturpolitisch höchst umstritten und ihr volkswirtschaftliches Funktionieren bis heute nicht belegt.

Die in der Installation verbauten Stahlkuben – bestehend aus Stanzabfällen der Automobilindustrie – thematisierte viele Aspekte dieser Diskussion rund um Finanzkrise, Abwrackprämie, Klimakatastrophe und Umweltproblematik: Die Kuben, die im Laufe der Ausstellung ihre Farbe von stahl-silber zu rostbraun wechselten, symbolisierten einerseits die Vergänglichkeit des Materials, das Ende eines Lebenszyklus, die Belastung der Umwelt und die Endlichkeit des Luxusguts Automobil. Auf der anderen Seite stehen sie für Recycling, als Wertstoff und Ausgangsmaterial für viele weitere Produkte und den Beginn eines neuen Lebenszyklus. In das Raster eingebettet stand ein Baum – als vitales Zeichen des natürlichen, immer wiederkehrenden Stoff-Kreislaufs.

Dass die Installation ins Herz dieses ökologisch wie ökonomisch hochaktuellen Spannungsfelds traf, belegten auch die vielen – durchaus kontroversen – Gespräche und Rückmeldungen, die sich rund um das Kubusraster entspannen.

 

Ort
Schlosspark Stammheim,
Stammheimer Hauptstraße, 51061 Köln

Datum
Erarbeitung 03 – 05/2009
Ausstellung 05/2009 – 05/2010
Vernissage am 31.05. und 01.06.2009

Rahmen
Installation im Rahmen der Ausstellung „GeoArt – drive to reconnect the cultural and the natural“,
kuratiert von Joachim Römer und Liz Ogilvie

Eingebettet in die Ausstellung „Rheinblicke – Einblicke“ der Initiative KulturRaumRechtsrhein (KRR)
im Stammheimer Schlosspark

Projektbeteiligte
Prof. Dr. Florian Kluge Landschaftsarchitekt,
Prozessgestalter, Freischaffender Künstler
KlugeProjekte, Kapitelstraße 17, 52066 Aachen

Daniel Lohmann Dipl.-Ing. Architektur,
Freischaffender Künstler
historische Bauforschung und Architekturdokumentation
www.daniellohmann.net

Material
„paketierte TZ-Stanzabfälle“:
35 Gepresste Stahlkuben aus Autoblechen
40 x 40 x X cm Kantenlänge