Land AHOI

Der Braunkohletagebau Inden durchwandert noch bis zum Jahr 2030 eine ganze Landschaft zwischen den Gemeinden Aldenhoven, Jülich, Inden, Düren und Eschweiler. Um die im Abbaufeld befindlichen 510 Millionen Tonnen Kohle gewinnen zu können, müssen 1,6 Milliarden Kubikmeter Abraum bewegt werden. Damit bedingt der Abbau größte grundlegende Eingriffe in das soziale und räumliche Gefüge, die zukunftsorientiertes Handeln und die Entwicklung visionärer Planungen notwendig machen.

Diese Umwälzungsprozesse stellen eine massive Herausforderung für Landschaftsarchitekten, Ingenieure, Regional- und Stadtplaner dar, bieten aber auch große Potentiale, innovative Lösungen zu entwickeln. An diesem Punkt setzte eine Lehrveranstaltung der Lehrstühle für Landschaftsarchitektur bzw. für Plastik der RWTH Aachen an. Der ehemalige Standort des Dorfes Inden, das bereits umgesiedelt und eingeebnet war, der in den nächsten Jahren vollständig abgetragen sein und in 40 Jahren Bestandteil eines großen Sees sein wird, sollte künstlerisch thematisiert werden. Ziel war es, diesen denkwürdigen Zwischenzustand des Areals aufzugreifen und mit einer Rauminstallation zu versuchen, Geist, Vergänglichkeit und Zukunft des Ortes und seiner Geschichte aufzunehmen. Idee und Konzept sollten einerseits Standort und Material vereinen, andererseits den radikalen Bruch in Vegetation, Geologie und Heimatgeschichte des Ortes deutlich machen.

Realisiert wurde das Konzept des Studenten Stephan Büsch: Der „Zeit-Tunnel“ – eine ca. 40 Meter lange, begehbare Installation aus einer mit Folie umspannten Holzlattenkonstruktion. Der dreieckige Querschnitt der Installation wurde zur Mitte immer kleiner und enger, um sich anschließend wieder zu weiten und den Blick auf die sich verändernde Landschaft zu öffnen.

Der Tunnel verlieh der Erkenntnis Ausdruck, dass alle Geschehnisse seit der Entstehung der Braunkohle vor über 12 Millionen Jahren zu dem jetzigen Moment der Betrachtung dieses Orts geführt haben. Dieser Moment ist Teil des erdgeschichtlichen Wimpernschlages der Kohleförderung in einem sich rasant entwickelnden Zeitalter. Viele Generationen haben von und mit der Kohle gelebt. Einige haben durch den Tagebau die Orte ihrer ganz persönlichen Geschichte verloren, andere haben vielleicht neue gewonnen. Die heutigen Generationen sind Zeugen des Energiewandels und der Entwicklung einer Seenlandschaft rund um das ehemalige Inden. Spätere Generationen werden eines Tages nichts anderes mehr kennen als erneuerbare Energien und den Indener See.

All diese Wandlungen finden in einem sehr engen Zeitraum statt. Dieses Zeitkontinuum ist als Raum entlang der Tunnel-Achse aufgespannt. Mit zunehmender Entfernung vom heutigen Tag – dem verengten Zentrum der Installation – nehmen die Geschehnisse in Richtung Vergangenheit und Zukunft jeweils zu und es entsteht Zeitraum von unendlicher Größe. Innerhalb dieser Unermesslichkeit sind wir Zeugen eines wichtigen Wandels, welcher im Heute stattfindet.

Ort
Tagebau Inden, Rheinisches Braunkohlerevier am ehemaligen Standort des Ortes Inden, in Nachbarschaft des „Geisterdorfes“ Pier und in unmittelbarer Nähe der Tagebau-Abbruchkante

Datum
Erarbeitung 05/2009 – 06/2011
Installation 25.-26.06.2009
Vernissage am 26.06.2009, Ausstellung bis 07/2009

Rahmen
Lehrveranstaltung an der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen:

Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur Jakobstraße 2, 52056 Aachen

Lehrstuhl für Plastik Wüllnerstraße zwischen 3 + 5, 52056 Aachen

Projektbeteiligte
Prof. Dr. Florian Kluge, (Zum Zeitpunkt des Projekts: Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur)
Veronika Stützel, Michael Valerius (Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur)
Prof. Univ.-Prof. grad. Des. Michael Schulze, Hyesug Park (Lehrstuhl für Plastik)
Studierende der RWTH aus den Studiengängen Architektur und Stadtplanung, Konzeptbeitrag von Stephan Büsch

Material
Dachlatten
Folie
Schrauben, Heftklammer, Schnur

Förderer
Gemeinde Inden Bau- und Planungsamt, Fr. Dechering Rathausstraße 1, 52459 Inden

RWE Power Aktiengesellschaft Burggasse, 50126 Bergheim