Lattenbude

Dozenten und Studenten der Alanus Hochschule haben in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal im Rahmen der Architekturbiennale „plan“ öffentliche Rauminstallationen am Brüsseler Platz durchgeführt, die von den Anwohnern begeistert angenommen wurden. 

Nun wurde auf Einladung verschiedener ansässiger Gastronomen zum wiederholen Mal ein temporäres Bauwerk auf dem Brüsseler Platz in Köln geschaffen. Mit Hilfe von 6.000 Schrauben und fast 2.000 Dachlatten erstellten die Studenten nach einem Entwurf von Moritz Kasulke eine temporäre Skulptur, die zwei ausrangierte und als Gastronomie-Station umfunktionierte Weihnachtsmarkthütten überspannt.

Den Hintergrund des Projektes bildet der jahrelange Versuch der Stadt Köln, der Anwohner im Belgischen Viertel und der anssässigen Gastronomen, zu einvernehmlichen Lösungen die Nutzung des Platzes betreffend zu kommen. Die Lage und stadträumliche Qualität des Brüsseler Platzes findet nicht nur bei Kölnern Gefallen, sondern zusehends auch bei (jüngeren) Besuchern der Stadt. Um dem zum Teil sehr großen Andrang gewachsen zu sein und gleichzeitig deeskalierend wirken zu können, entschied man sich dazu, im Vorbereich der Kirche St. Michael eine am Platz bediente Aussengastronomie zuzulassen, die mit dafür sorgt, daß eine gewisse Ordnung bestehen bleibt und Besucher den Platz spätestens um Mitternacht verlassen. Die Betreiber der „Holzbude“, die bereits 2012 in den ausrangierten Weihnachtsmarktbuden gastronomisch tätig waren, luden die Architektur-Studierenden der Alanus Hochschule ein, Ideen zu entwickeln für die Positionierung und Ausgestaltung der Gastronomie-Station.

In einem Stegreif-Workshop entstanden unterschiedliche Ansätze, die zusammen mit den Betreibern, dem Mediator sowie in der Bezirksversammlung diskutiert wurden. Ausschlaggebend für die Wahl des Konzeptes der „Lattenbude“ war neben der kostengünstigen Materialwahl die einfache Herstellung sowie der ungewöhnliche Blickfang. Dabei legt sich die neue „Haube“ aus Dachlatten netzartig um die farbig gestalteten Hozbuden und verankert sie gleichzeitig in das Hochbeet. Durch die abendliche Beleuchtung aus dem Inneren der Buden strahlt das Objekt eine freundlich-irritierende Atmosphäre aus.

Die entwickelte Raum-Skulptur zeigt, wie mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielt werden kann. Denn auch wenn alle sozialen Probleme am Brüsseler Platz damit nicht gelöst werden konnten, trug das Projekt sicherlich dazu bei, die Qualität des Platzes zu steigern und zu einem rücksichtsvolleren Umgang aller Beteiligten anzuregen. Die Studenten konnten so Gestaltungsvorgänge kennen lernen, die über formale und funktionale Ansätze hinausgehen und die gesellschaftliche Relevanz konkret erfahrbar machen.

Ort
Brüsseler Platz, Köln

Datum
Entwurf und Vorbereitung: 03/2013 – 05/2013
Aufbau: 01.05.2013
Laufzeit: 01.05.-01.10.2013

Rahmen
Lehrveranstaltung an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft:
Fachbereich Architektur, Villestr. 3, 53347 Alfter

Projektbeteiligte
Ido de Baat
Prof. Willem-Jan Beeren
Avila Dietrich
Shirzad Faramarzi
Moritz Kasulke (Konzeptbeitrag)
Hanna Kosche
Marius Rudolph
Ludger Krause-Sparmann
Elias Schley-Cores
Prof. Benedikt Stahl
Max Wester
Frauke-Albrig Zahl

Material
2.000 Dachlatten
6.000 Schrauben
Wandfarbe

Förderer
Marius Rudolph und Shirzad Faramarzi, Betreiber der Holzbude am Brüsseler Platz, 50647 Köln
Weitere Gastronomen des Brüsseler Platzes, 50647 Köln