Schäl Sick Wall

Seit Jahrtausenden ist der Rhein nicht nur Lebenselixier der an ihm gelegenen Städte, sondern auch Grenze und Trennung zweier Hälften, die trotz aller Versuche und Brücken nie richtig zusammenwachsen können. Sei es die historische Grenze zwischen römischem Reich und Germanien, oder die aktuelle Grenze zwischen Bundesländern. Besonders deutlich wird dies in Köln, wo der Rhein die beiden Ufer scheidet in KÖLLE und SCHÄL SICK.

Zwischen diesen Ufern liegt die Deutzer Rheinbrücke, deren 430 Meter langer, konstruktionsbedingter Beton- Tunnel einen einzigartigen (Ausstellungs-)Raum bietet: Raum, um mit einfachsten baulichen Mitteln landschaftsarchitektonische und architektonische Planungsprinzipien aufzuzeigen, Raum, um mit gezielten Eingriffen das Raumgefüge zu verändern, Raum, um temporäre Kunst in der StadtLandschaft zu schaffen – Raum für die „Schäl Sick Wall“, eine überdimensionierte Wand aus Kölsch-Getränkekisten.

Das Projekt „Schäl Sick Wall“ entstand im Rahmen der von Joachim Römer und Liz Ogilvie kuratierten Ausstellung „übermfluss“, nach „Spaen“ (2003) und „Dudelsack“ (2005) die dritte Ausstellung dieser Art. Die „Schäl Sick Wall“ symbolisierte die Mauer in den Köpfen der Kölner. Sie hielt den selbstverliebten Linksrheinischen den Spiegel vor, war aber andererseits Signal für die Rechtsrheinischen: Rot, groß, und leuchtend stand ein symbolisches Wahrzeichen Kölns, die Kölschkiste in den Farben der Stadt, in hundertfacher Wiederholung als Barriere im Weg. Die Mauer als Symbol der Trennung, im harten Gegensatz zur Brücke als verbindendes Element. Der ureigene Zweck der Brücke, der Weg über den Fluss, wurde blockiert. Eine den Brückenquerschnitt füllende Wand aus roten Getränkekisten der Brauerei Früh, einseitig bespannt mit Spiegelfolie. Die verspiegelte Seite von Strahlern hell erleuchtet, die Deutzer Seite durch eine in den Getränke-Kisten gelagerte Lichterkette rot zum Glühen gebracht.

Die Barriere konnte vom Besucher durch einen Zwischenraum, ein Niemandsland, durchschritten werden. Die Wand präsentierte sich dem Besucher mit zwei unterschiedlichen Gesichtern: Die leuchtend rote Wand im leicht abgedunkelten Brückenraum der Deutzer Seite als Barriere und Schranke. Die verspiegelte Wand im hellerleuchteten Brückenraum der Kölner Seite als strahlender Aufenthaltsraum. Leichte Unebenheiten in der Spiegelfläche erzeugten kleine Verzerrungen und ein subtiles Spiel mit der Wahrnehmung. Lichtreflexe einerseits und der durch den Durchgang scheinende rote Lichtschein bewegten den Besucher zum Überqueren der Barriere. Gemeinsam mit den anderen Installationen der Ausstellung gelang es der Schäl Sick Wall, eine weitere Brücke zwischen den Ufern zu schlagen und über dem Rhein eine neue Begegnung zu eröffnen.

Ort
im Innern der Deutzer Brücke, Köln

Datum
Erarbeitung 11/2006- 03/2007
Ausstellung 03/2007 – 04/2007
Vernissage am 22.03.2007

Rahmen
Installation im Rahmen der Ausstellung übermfluss kuratiert von Joachim Römer und Liz Ogilvie in Zusammenarbeit mit Johannes Fritsch (Hochschule für Musik Köln)

Projektbeteiligte
Prof. Dr. Florian Kluge Landschaftsarchitekt, Prozessgestalter, Freischaffender Künstler KlugeProjekte, Kapitelstraße 17, 52066 Aachen

Daniel Lohmann Dipl.-Ing. Architektur, Freischaffender Künstler historische Bauforschung und Architekturdokumentation
www.daniellohmann.net

Material
300 rote Kölsch-Kisten
Lichterkette im Innern der Kisten, Leucht-Strahler auf der verspiegelten Seite Spiegelfolie, 30m²
Kabelbinder, Doppelklebeband, Schwarze Müllsäcke

Förderer
Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG Am Hof 12-18, 50667 Köln

H. Brunner GmbH Am Risisee 13, 77855 Achern