Pflanz die Plastik

Rund um die Architektur-Fakultät, das Hauptgebäude, das SuperC und das Kármán-Forum entwickelt die RWTH Aachen den zukünftigen Campus Mitte als ihren Kernbereich.Das Planungskonzept sieht eine städtische Platzfolge entlang der „Achse der Wissenschaft“ vor, die das Stadtzentrum mit dem Universitätsforum am Templergraben und dem Campus West verknüpft. In einem ersten Schritt soll der Bereich am Templergraben mit den anliegenden Freiflächen umgesetzt werden. Ziel ist es, den Freiraum um Hauptgebäude, Super C und Kármán-Auditorium gestalterisch aufzuwerten und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Diese Entwicklung nahmen die Lehrstühle für Landschaftsarchitektur und Plastik als Anlass, eine vernachlässigte Grünfläche, die zentral im neuen Campus liegt, mit einer temporären Kunstaktion zu gestalten. Ziel war es, auf die Planungen aufmerksam zu machen und den Blick auf neue und alte Freiräume des Campus zu lenken. Für eine größtmögliche Publikumswirksamkeit und zur Steigerung der Identifikation mit dem Ort, wurden Anrainer und Nutzer zur Aufzucht von 200 Topfpflanzen einbezogen. Sie sollten in ihrer Rolle als Pflanzpaten die Pflanzen anzüchten, pflegen und am Semesterende als Teil der Pflanz-Plastik zur Verfügung stellen. Aufgabe der Studierenden war es, eine raumgreifende Plastik aus Dachlatten zu entwerfen, welche die 200 Topfpflanzen aufnehmen und harmonisch integrieren konnte. Aus den konkurrierenden Entwürfen der Studierenden wurde das Konzept von Marie Carl, Natalie Kuckel und Sarah Peters zur Realisierung ausgewählt. Es sah die Entwicklung einer ca. 12m langen und bis zu 2m hohen Großraumplastik vor, die sich in freier organischer Form um den bestehenden Baum schwingt. Das Grundmodul für die Plastik waren aus Dachlatten montierte Dreiecke. Diese wurden in verschiedensten Größen vorproduziert und in zahlreichen Variationen und Bauversuchen auf dem Lehrstuhlhof zusammengesetzt. Am Aktionstag – dem Tag, an dem Plastik und die von den Pflanzpaten angezogenen Blumen zusammengefügt werden sollten – wurde die Großplastik zerteilt und in großen Baustücken zum vorgesehenen Grundstück gegenüber des Universitätshauptgebäudes getragen. In einem prozessionsähnlichen feierlichen Akt, gelangte die Plastik so in mehreren Teilen an ihren endgültigen Standort. Vor Ort wurden alle Teile der Plastik wieder zusammengefügt, Stabilitätsstützen ergänzt und die Einhängnetze für die Blumentöpfe angebracht. Die breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit und die weithin sicht- und hörbare Baustelle der Plastik lockten immer mehr Besucher und Pflanzpaten zur Plastik. Dort konnten die über das gesamte Semester herangezogenen Pflanzen in die Netze eingesetzt werden, um die Plastik zu vervollständigen. In zahlreichen Gesprächen mit den Anrainern wurde bestätigt, dass die Aufmerksamkeit für die Grünflächen des Campus Mitte tatsächlich gestiegen ist. Dank tatkräftiger Unterstützung der RWTH-Hausmeisterei konnten die Pflanzen der Plastik – trotz heißestem Wetter – zwei Wochen am Leben gehalten werden, bevor sie nach Abschluss der Aktion an den verschiedensten Standorten neue Lebensräume fanden.

 

Ort
Grünfläche vor dem Universitätsgebäude
der RWTH Aachen
Templergraben 64, 52056 Aachen

Datum
Erarbeitung: 03/2010 – 07/2010
Installation: 07.07.2010
Ausstellung: 07.07. – 21.07.2010

Rahmen
Im Zuge der Umgestaltung des Campus Mitte der RWTH Aachen

Lehrveranstaltung an der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen:

Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur
Jakobstraße 2, 52056 Aachen

Lehrstuhl für Plastik
Wüllnerstraße zwischen 3 + 5, 52056 Aachen

Projektbeteiligte
Prof. Dr. Florian Kluge,
Annika Menze,
Veronika Stützel,
Michael Valerius (zum Zeitpunkt des Projekts: Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur)
Prof. Univ.-Prof. grad. Des. Michael Schulze, (Lehrstuhl für Plastik)
Studierende der RWTH aus den Studiengängen Architektur und Stadtplanung,
Konzeptbeitrag von Marie Carl, Natalie Kuckel und Sarah Peters

Material
Dachlatten
Schrauben
200 Kunststoffnetze
200 Blumentöpfe mit Blumenerde und Blumenansaat

Förderer
Gefördert im Rahmen des reiff.plus-Maßnahmen-Programms der Architektur-Fakultät der RWTH Aachen.
Unterstützt durch die Hausmeisterei der RWTH Aachen bei der zweiwöchigen Pflege der Skulptur.